Das Kochrezept zum Lesen lernen - Ein Projekt der Aktivsenioren Bayern e.V.

Maria-Anna Schulze Brüning, Stephan Clauss – Wer nicht schreibt, bleibt dumm – Warum unsere Kinder ohne Handschrift das Denken verlernen – Piper Verlag 2017

Wer sich wundert, warum so viele Schüler heute eine unsichere bzw. schlechte Handschrift haben, der weiß warum, wenn er dieses Buch gelesen hat. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Handschrift, verständlich argumentiert und mit guten Beispielen belegt. Als Lese- und Rechtschreibtrainer spricht mir die Autorin aus der Seele. Es wird deutlich, dass es nicht nur um ein ästhetisches Problem geht. „Es geht um ein fehlendes Fundament des Lernens.“ Wer wissen will, warum die Handschrift heute so gering geschätzt wird, der erfährt es hier. Es ist die Reformpädagogik, die meint, es den Schülern durch Vereinfachen immer leichter zu machen, um dadurch schneller Ergebnisse zu erzielen. Übersehen wird dabei, dass man den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun sollte. Wer mit der Druckschrift beginnt, wird kaum eine eigene Handschrift entwickeln, wenn die Druckschrift als Erstschrift bereits automatisiert wurde. Es ist erschreckend zu sehen, wie mit wissenschaftlichen Begründungen elementare Fehler gemacht wurden, die alleine mit gesundem Menschenverstand erkannt werden können, die von der Schuladministration aber blind übernommen werden, weil sie Einsparungen versprechen. Kein Wunder, dass Jürgen Reichen in diesem Zusammenhang mehrfach zitiert wird. Wer am Anfang des Bildungsprozesses glaubt, den zweiten Schritt vor dem ersten machen zu können, wie z.B. Jürgen Reichen (Buchbesprechung) beim Schriftspracherwerb, der schadet den Kindern. Die Autorin entzaubert z.B. die Auffassung von Burkhardt Spinnen, der die Handschrift wie einen Pferdewagen in der rush hour vergleicht, wie folgt: "Die Handschrift spielt in unserer alltäglichen Kommunikation ... kaum noch eine Rolle. Das ist unbestritten. Und niemand will handgeschriebene Briefe wieder an die Stelle von E-Mails ... setzen. Eine ganz andere Frage jedoch lautet: Welche Rolle spielt die Handschrift im Schriftspracherwerb des Kindes? Um im Bild des Pferdewagens zu bleiben: Es hat seine guten Gründe, dass Kinder sich noch nicht selbst auf der Straße bewegen und ein Auto lenken, sondern eher im Tempo eines Pferdewagens unterwegs sind - mit dem Roller, dem Fahrrad, mit Inlinern. Und dass sie zuerst Laufen lernen, bevor sie auf ein Bobbycar steigen."

"Die Handschrift ist das Werkzeug der Schule." Dieser Satz zeigt worauf es ankommt. Jeder Handwerksmeister achtet darauf, dass er gutes Werkzeug hat und dass seine Gesellen im Gebrauch dieser Werkzeuge geübt sind. Die Reformpädagogik meint, in der Schul gelte das nicht. "Das systematische Üben ist aus der Mode gekommen.", stellt die Autorin fest, der Handschrifterwerb soll quasi nebenher erfolgen. Wenn es lange genug egal ist, wie man schreibt, und eine Art Lautschrift ausreicht, kann das nicht ohne Folgen bleiben. Und die zeigen sich u.a. in der Rechtschreibleistung. Zitiert wird dazu eine Studie, die zeigt, dass 1972 im Schnitt bei 100 Wörtern 7 Fehler gemacht wurden, im Jahr 2012 aber schon 17. Bei mir nährt das den Verdacht, den ich in meinen Blogbeiträgen (Legasthenie-'Streiflichter) schon früher geäußert habe, dass die Rechtschreibstörung hausgemacht ist. Nicht das Kind kann etwas dafür, die Lehre ist die Verursacherin.

Die Autorin räumt auch mit der oft beschworenen Selbstorganisation des Kindes beim Lernen auf. „Kinder brauchen einen Lehrer, strukturierte Anleitung und sehr viel Übung. Wer glaubt, das ersparen zu können, riskiert Verluste in der Substanz.“ Und diesen Verlust sehen wir täglich! Mein Fazit: Ein interessantes, kurzweiliges und verständliches Buch, das nicht nur die Probleme benennt, sondern auch sagt, was getan werden müsste. Gefallen haben mir auch die Beispiele, die zeigen, dass man auch in weiterführenden Schulen seine Handschrift noch verbessern kann.

Aus der Lesekoch-Praxis ...

Elternabende zur Leseförderung

Veitsbronn Elternabend KopieSehr gut besucht war der Elternabend in Veitsbronn. Der Elternbeirat und der Förderverein haben die Veranstaltung organisiert. Das Interesse der Eltern zeigte sich auch in einer lebhaften Diskussion. Die Besucher und die Schulleitung haben sich lobend über den Abend geäußert. Elternabende zur Leseförderung führen wir mit allen Schularten zusammen mit den Schulleitungen auf Anfrage durch.

Schüler trainieren Schüler

Mittelschule Zirndorf Schülert k P1010237Ein beispielhaftes Projekt läuft an der Mittelschule Zirndorf. Schüler trainieren Schüler mit dem Lesekoch-System. Das Bild zeigt die Trainer des ersten Durchlaufs. Die Schüler freuen sich, ihren jüngeren  Mitschülern helfen zu können, die Lesefertigkeit zu verbessern. Die zweite von rechts ist Frau Friedmann, die das Projekt an der Mittelschule Zirndorf koordiniert. Solche Projekte laufen an Mittel- und Realschulen. Bei Interesse bitte melden.

Kindheitserinnerungen mit Lese- und Wortschatzübungen

Oma Grete

Grete Gringmuth erzählt als Oma Grete von ihrer Kindheit. Es sind Erlebnisse aus dem Nachkriegsdeutschland. Der Text und die Übungen dazu sind für alle Altersgruppen geeignet. Der Ton, gesprochen von Grete Gringmuth, ermöglicht eine Lesekontrolle durch die Lernenden selbst. Mit diesem Lese-Hörbuch sollenSiegbert Passbild 20150522k Schüler, aber auch Eltern unterstützt werden. Eine Version für Menschen mit Migrationshintergrund mit zusätzlichen Worterklärungen und Wortschatzübungen steht jetzt auch zur Verfügung. Wir wünschen allen Spaß, Freude und Erfolg beim Üben. - Grete Gringmuth und Siegbert Rudolph 

Lest nicht wie die Kinder, zum Vergnügen, noch wie die Streber, um zu lernen, nein, lest, um zu leben.

Gustave Flaubert

Von Kindheit an war ich ein Freund des Lesens, und das bisschen Geld, das mir in die Hände kam, wurde für gute Bücher ausgegeben.
Benjamin Franklin

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