Der Lesekoch-Blog

Montag, 04 Mai 2015 14:17

Wollen und Können in Übereinstimmung bringen

geschrieben von 

„Stell dir vor, du liegst in einem Bett …“
Wollen und Können in Übereinstimmung bringen

Muss man mehr Wörter lesen, um zu wissen, wie der Satz in der Überschrift weiter geht? Einer meiner Schüler führte ihn so fort: „… und schläfst.“ Es hieß aber: „… in einem Baumhaus.“ Das ist ein schönes Beispiel für die Lesetechnik von schwachen Lesern, von Schülern mit LRS oder Legasthenie.

Eine andere Beobachtung:

Wenn ein Satz mit „wir“ beginnt, oder das erste Nomen in der Mehrzahl steht, dann wird in diesem Satz generell die Mehrzahl gelesen. Beispiele:
Wir lieben unser Haustier. = ... unsere Haustiere.
Die Mäuse rennen vor der Katze davon. = ... den Katzen ...
Die Kinder der anderen Gruppe = ... anderen Gruppen

Wenn ich mir meine Sammlung von Lesebeispielen meiner Schüler ansehe, dann wird mir klar, dass eine große Gruppe leseschwacher Schüler nur ein Problem hat: Die Lesefertigkeit ist für die Lesegeschwindigkeit nicht ausreichend. Die Schüler wollen schneller lesen, als sie können.

Typisch ist, dass der erste Satz eines normalen Textes oft fehlerfrei und schnell gelesen wird. Ich denke dann: „Der oder die kann doch lesen!“ Aber irgendwann, im zweiten, dritten oder vierten Satz, geht es mit Lesefehlern los. Ich merke, dass nicht alle Wörter sicher entschlüsselt werden und deshalb spekuliert wird.

Für solche Leseschwierigkeiten ist das Üben mit dem PC ideal. Wenn der Text nicht auf einmal präsentiert wird, sondern zeichen- oder wortweise, so dass der Schüler sich auf das konzentrieren kann und muss, was nach und nach am Bildschirm erscheint, dann sind die Leseleistungen sofort besser. Die Geschwindigkeit der Anzeige passe ich an die Fähigkeit der Schüler an.

Eine andere Übungsart sind die Texte mit Fantasiewörtern. Ich sage dem Schüler, dass der Text Fantasiewörter enthält, die nicht erraten werden können. Und schon wird vorsichtiger gelesen und oft schwierigste Wortunsinnsungetüme richtig entschlüsselt. Oder wir lesen Text mit Variationen. Jeder Satz wird etwas abgeändert wiederholt.

Wichtig ist, für solche Übungen die Schüler richtig zu motivieren, was aber immer problemlos gelingt. Trotzdem bedarf es manchmal vieler Übungsstunden, bis sich der Schüler die richtige Lesetechnik und –fertigkeit angeeignet hat. Aber wenn sich dann der Erfolg zeigt, ist es einfach ein schönes Gefühl, für den Schüler und für mich.

Das Training kann in solchen Fällen mit meinen auf leseschwache Schüler abgestimmten Lese-Hörbüchern oder mit einer Vorlesesoftware zu Hause ergänzt werden. Zuhause gibt es ja keinen Trainer. Die meisten Schüler wollen nicht (mehr) mit den Eltern üben.
Ich setze für das häusliche Üben Sprint von Reinecker Prolexia ein. Die Schüler sollen einen Satz lesen und diesen dann zur Kontrolle anhören. Bei Abweichungen wird der Satz wiederholt. Manche Schüler laden sich Texte aus dem Internet herunter und üben damit. Andere nutzen meine Texte aus dem Downloadbereich meiner Internetseite (Übungen herunterladen/Zwischendurch Sprint). Meine Texte bereite ich meist so auf, dass in jeder Zeile nur wenige Wörter stehen, dann kommt eine Zeilenschaltung. Beim Vorlesen kann man dann im Sprint-Programm „Abschnitt“ einstellen. Per Klick wird dann immer eine (kurze) Zeile vorgelesen. Das hat den Vorteil, dass der Schüler wirklich jeden Lesefehler bemerkt. Bei langen Sätzen werden kleinere Lesefehler (wie z.B. Mehrzahl statt Einzahl oder bei der Zeitform) beim Anhören zur Kontrolle überhört. Manche Schüler haben ein richtiges Aha-Gefühl, wenn sie beim Anhören ihre Lesefehler bemerken. Mein Eindruck ist, dass dieses motivierend ist. Eine persönliche Kontrolle wird nur durch den Trainer akzeptiert. Weiteren Personen will man nicht vorlesen. Der Computer ist da eine echte, akzeptierte Alternative.

Sprint wird den Schüler auf einem USB-Stick leihweise überlassen. Der USB-Stick kann nach Abschluss des Trainings für einen anderen Schüler verwendet werden.

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Lesen ist für den Geist, was Gymnastik für den Körper ist.

Joseph Addison, 1672 - 1719

 

Von Kindheit an war ich ein Freund des Lesens, und das bisschen Geld, das mir in die Hände kam, wurde für gute Bücher ausgegeben.
Benjamin Franklin

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