Der Lesekoch-Blog

Donnerstag, 20 Oktober 2016 14:25

Rechtschreibreform - Schuldzuweisung

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An die wichtige Ceteris-Paribus-Klausel, die besagt, dass sich bei Analyse der Auswirkungen eines Faktors nur dieser eine geändert haben darf, denken die nicht, die die letzte Rechtschreibreform für die Ursache der vielen Rechtschreibschwierigkeiten unserer Schüler halten.

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse hat jetzt Friedrich Denk (siehe FAZ vom 20.10.2016) festgestellt: „Die Verwirrung und Verunsicherung der Schreibenden ist groß, die Schüler machen nachweislich nicht weniger, sondern deutlich mehr Fehler, die deutsche Einheitsorthographie ging verloren.“ Man kann über die Rechtschreibreform unterschiedlich denken. Ich war auch nicht begeistert. Aber man darf nicht übersehen, dass es noch andere Einflussfaktoren gibt, die hier eine Rolle spielen. An erster Stelle sehe ich den Lehrplan, der inzwischen vorsieht, dass die Kinder Geschichten schreiben, obwohl sie weder die Rechtschreibung noch die Schreibtechnik beherrschen. Die Schäden, die damit angerichtet werden, lassen sich auch durch eine erneute Rechtschreibreform nach dem Motto „Kommando zurück“ nicht beseitigen. Außerdem wird in den Schulen inzwischen einfach zu wenig geschrieben, und oft werden nur Lückentexte ausgefüllt. Es wurde das Fach Schönschreiben abgeschafft, das durch die vielen Wiederholungen auch einen wichtigen Beitrag zur Richtigschreibung leistete. Ob alte Rechtschreibung oder neue: Hundertprozentige Regeln für die Schreibweise gibt es wieder hier noch da. Außerdem muss man auch noch auf den Duden achten. Wenn ein Fehler weit verbreitet ist, lässt ihn der Duden zunächst als alternative Schreibweise zu, und irgendwann wird die einstmals richtige Schreibung als Fehler gebranntmarkt. Also: Die Rechtschreibreform vor 20 Jahren als Ursache für die Rechtschreibschwierigkeiten vieler Schüler verantwortlich zu machen, und damit für eine Rücknahme der Reform zu plädieren, das ist zu kurz gesprungen.

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