Lesekoch meine besten Rezepte opti Lesekoch Siegbert 002Allen Lesepaten, Eltern, Großeltern, Trainern, Therapeuten und Lehrern wünsche ich viel Erfolg! Siegbert Rudolph

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Kurze Hinweise ...

Den oder denn?

Nicht verzweifeln: Üben!

den denn Leseübung

Tandemlesen online

Für meine Schüler habe ich kurze Videos erstellt, bei denen Sie mit mir mitlesen können. Quasi wie beim Tandemlesen. Eltern können den Ton auch abschalten und selbst mit den Kindern lesen oder den Kindern helfen, wenn sie Schwierigkeiten haben. Für Eltern gibt es ein Erklärvideo mit Bedienungshinweisen. Die Übungsserie wird laufend ergänzt.

Nochmal Gehirnjogging ...

Wörterlooping FB

Dateiname: Wörterlooping

 

Gehirnjogging ...

... zum Schluss einer Übungsstunde mit einem Buchstabensalat! Man muss auf die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge klicken und dann den Satz lesen.

Buchstabensalat

Immer aktuell: das oder dass?

Das Dass Gespenst

Ordner Am Symptom üben / Kurze oder gedehnte Vokale - Übung "Wörter - Das Dass-Gespenst - Arbeitsblatt"

Motivation für den Trainer

Herzchenbuch

Viel Arbeit, aber genau so viel Freude hatte ich bei dieser Leseförderung!

Leichte Einstiegsübung

Zunächst stehen nur 7 Wörter auf dem Bildschirm. Diese werden geübt. Dann erscheint ein Bild, und der Schüler sagt, welche Nummer zu dem Wort dazu gehört. Der Satz zum Bild wird gelesen.

Wörter Bilder zuordnen Seite 6 1000

Das ist eine meiner leichtesten Einstiegsübungen. Sie verspricht Erfolgserlebnisse! Zum Ordner Am Anfang / Texte kurz und leicht - Übung Wörter Bilder zuordnen.

Genaues Lesen üben

Immer wieder ist es zu beobachten: Leseanfänger kümmern sich nicht um die Endungen. Ich übe dann mit "Blitzlesen mit Variationen". Damit trainiere ich meine Schüler, die Wörter bis zu Ende zu lesen.

Fremdwörter

3 Übungen mit je 3 Witzen - anspruchsvolle Leseübung - Ordner - Datei: FremdwörterNumismatiker 4

Dauerbrenner Vokallänge

Gerade habe ich einen Viertklässler übernommen, der den und denn nicht auseinanderhalten kann. Von der unterschiedlichen Länge der Vokale ist ihm nichts bewusst. Für ihn habe ich die Kurzübung "Kurz und knackig - Leseregel für Vokale" mit vielen Fantasiewörtern gemacht.

Fantasiewörter 2

Textverständnis üben

Welche Sätze passen zusammen? Mit dieser leichten Übung aus dem Ordner "Am Anfang der Leseförderung / Texte kurz und leicht" kann man das Textverständnis trainieren. Außerdem gibt es Übungen mit dem Wortschatz der Klasse 2 und der Klasse 3.

Tex

Homeoffice

Leseförderung im Homeoffice 2

Mit verteilten Rollen ...

... lesen kann Abwechslung ins Übungsgeschehen bringen: neue Übungen "Dialoglesen" im Ordner Leseübungs-Sammelsurium.

Eszett - "Hör ich nicht!"

Eszett Spaß

Aufwärmübung

Nicht gleich in den Text einsteigen und Stolperstellen vorab mit einer „Aufwärmübung“ beseitigen.

Die Sprache der Tiere

Tierstimmen zuordnen

Lustiges Training

Witz Schule 1 1

Buchstaben-Sicherheit

Berühmte Katze

Berühmteste Katze Japans"Berühmteste Katze Japans" im Ordner Ab Klasse 3 / Texte!

Fantasiewörter

Neues von der Erfindermesse

Mal was anderes: Übung "Neues von der Erfindermesse", Fantasieartikel zuordnen und Texte dazu lesen! Ordner!

Stolperwörter

Stolperwörter 2 neu

Stolperei bei e nach ei

ei e

Erfolgserlebnis

Das Reh 5

Veborgene Tiere

Verborgene Tiere

Schlüsselkompetenz ...

Gruber Mittelschule k

Peter Gruber, ehemaliger Schulleiter, berichtet!

Interview Zirndorf.TV

Typische Lesefehler ...

... zeigen die Ratetechnik.

Der Lesekoch-Blog

Sonntag, 22 Januar 2023 13:38

Phänomen beim Lesen - Leseversuche von rechts

geschrieben von 

„Es geht einfach nichts vorwärts!“ Das höre ich oft von verzweifelten Eltern. Ich lasse das Kind dann einen kurzen Text vorlesen, um mir ein eigenes Bild zu machen. Meinen ersten Pluspunkt beim Kind habe ich schon deswegen, weil ich ihm keinen langen Test, wie sonst üblich, zumute. Bei noch sehr schwachen Lesern reichen wenige Zeilen, um zu wissen, wo es hauptsächlich hakt. Wenn ich den Schüler höre, verstehe ich die Eltern, denn das Lesen hört sich furchtbar an. Ich zeige den Kindern dann einen Text, der auf dem Kopf steht:grafik.png

Bild 1: Lesetest Leserichtung (Auszug)

Zum Erstaunen der Eltern lesen manche Kinder (nicht alle) plötzlich besser. Mich wundert das inzwischen nicht mehr, denn ich weiß, dass etlicher Kinder mit großen Leseschwierigkeiten immer wieder versuchen, Buchstaben von rechts nach links zu Wörtern zusammenzusetzen. Wenn ich davon berichte, werde ich sofort gefragt, ob es sich um Kinder mit Migrationshintergrund handelt, die aus einer Region stammen, bei der die Leserichtung tatsächlich entgegengesetzt zu unserer ist. Es handelt sich bei meinen Schülern aber um solche aus unserer Region ohne jeden Migrationsbezug.

Zu den Blickbewegungen beim Lesen gibt es viele wissenschaftliche Arbeiten. In einer – Quelle siehe unten – steht, dass die Blickspanne nach rechts wesentlich größer ist als die nach links. Man nennt das die Asymmetrie der Blickspanne. Und es heißt in diesem Artikel: „Sie (die Asymmetrie der Blickspanne) dreht sich um, wenn in einem Schriftsystem mit rechts/links-Richtung gelesen wird.“ Dazu, dass Kinder, die in unserem Schriftsystem lesen, gegen die übliche Richtung den Text erschließen wollen, scheint es keine Literatur zu geben und deshalb kann ich über die Ursachen dieses Phänomens höchstens spekulieren. Darin will ich mich gar nicht erst versuchen. Mir geht es darum, diesen Kindern zu einer Lesestrategie zu verhelfen, mit der sie gut zurechtkommen und ihre Lesefertigkeit verbessern.

Was ich aber aufgrund meiner Beobachtungen mit ziemlicher Sicherheit sagen kann: Die Blickspanne dieser Kinder nach rechts ist (in dieser Phase des Leselernprozesses) zu klein. Wenn sie die auf dem Kopf stehenden Texte von rechts nach links lesen, lesen sie flüssiger, was auf eine größere Blickspanne schließen lässt. Wegen der kleinen Blickspanne nach rechts tun sich diese Kinder aber so schwer beim Lesenlernen. Es dauert lange, bis sie Wortbilder erkennen. Sie müssen sich auch einfache Wörter immer wieder neu erlesen. Ich kann verstehen, dass vor allem Eltern, aber auch Trainer dabei die Geduld verlieren und aufgeben. Viele Wiederholungen sind notwendig. Das Problem: Diese Kinder bekommen die Zeit nicht, die sie bräuchten, werden nicht spezifisch gefördert und bleiben deshalb in ihrer Leseleistung weit zurück bzw. kommen gar nicht vorwärts. Oft wird dann eine Legasthenie bescheinigt. Dabei müsste man diesen Kindern nur mehr Zeit geben und sie mit passenden Übungen fördern.

Woran erkennt man die Leseversuche von rechts?

Festgestellt habe ich diese Besonderheit nur zufällig, als ich in meine Übungen das Detektivlesen eingebaut habe.

2Leseversuch

Bild 2: Standardteil einer Leseübung mit Wörtern aus dem Text zur Wiederholung

Beim Detektivlesen steht der Text auf dem Kopf. Gedacht war die Übung nur als Gehirnjogging. Aber etliche Schüler lasen plötzlich deutlich besser als sonst. Das machte mich stutzig.

Die Leseversuche von rechts fallen meist gar nicht auf. Man hört nur die vielen Lesefehler, bemerkt das Stocken und die Denkpausen, oft auch das schnelle Raten und völlig unsinnige Leseergebnisse. Ich habe das Phänomen als solches selbst lange nicht erkannt. Ich habe vermutet, dass die Kinder im Text herumspringen, um möglichst schnell irgendetwas zu erkennen, mit dem sie etwas anfangen können.

Anzeichen für die Leseversuche von rechts sind Lesefehler, bei denen der dritte Buchstabe eines Wortes vor dem zweiten gelesen wird. Gelesen wird zum Beispiel Borsche statt Brosche. Verbunden mit der Ratetechnik, die sich solche Kinder meist auch zugelegt haben, wird aus am das Wort man, aus im wird mit oder ein wird als nie gelesen.

3Leseversuch

Bild 3: Leseergebnisse bei Leseversuchen von rechts

Das passiert aber nicht immer, sondern nur auffallend oft. Auch Bruchstücke des Wortes aus dem hinteren Teil werden manchmal vorgezogen. Geraten wird, wie bei allen Kindern, aufgrund der ersten Buchstaben eines Wortes. Bei Kindern mit dem geschilderten Phänomen sind aber oft die dem Raten zugrunde liegenden Buchstaben in der verkehrten Reihenfolge irgendwo im zu lesenden Wort. Ein kurioses Lesebeispiel: ratlos wurde bei einem Schüler zu ratsol.

Auffallend ist auch, dass diese Kinder meist Wörterschlangen, also Texte ohne Leerräume, siehe Abbildung oben (Bild 2) relativ flüssig lesen, denn hier sind sie gezwungen, Buchstabe für Buchstabe den Text von rechts zu verfolgen. Blicksprünge sind sinnlos.

Einer meiner Lesepatenkollegen hat mich vor kurzem zu einer Zweitklässlerin um Rat gefragt. Die Probleme hat er wie folgt beschrieben: „Sie (seine Schülerin) scheint jedes Wort erstmal im Geiste zusammenzubauen, bevor sie es dann vorliest, in den allermeisten Fällen dann richtig.“ Ich äußerte den Verdacht mit der Leserichtung und empfahl meine entsprechenden Übungen. Nach einiger Zeit kam die Rückmeldung: „Nach mehrmaliger Verwendung dieser Übungen glaube ich, dass Ihre Vermutung mit der Leserichtung richtig ist. Die Schülerin kann die umgedrehten Texte erstaunlich gut lesen.“

Die Leserichtung im Leselernprozess

Wer gut lesen kann, der kann ohne Mühe Texte lesen, die auf dem Kopf stehen oder in Spiegelschrift geschrieben sind. Vielleicht liest man solche Texte beim ersten Mal etwas langsamer. Aber sie machen keine grundsätzlichen Probleme. Die Blickspanne in die „verkehrte“ Richtung ist offensichtlich kein Problem, wenn man gut lesen kann. Im Leselernprozess ist das aber anders. Die Kinder mit dem von mir geschilderten Phänomen sind im Nachteil. Sie tun sich viel schwerer als andere Kinder, aber darauf wird meist keine Rücksicht genommen. Warum? Weil Eltern und Lehrpersonen das Problem mit der zu kleinen Blickspanne in die gewünschte Leserichtung wahrscheinlich gar nicht kennen. Es wird geübt, was das Zeug hält, aber die Leseleistung wird nicht besser. Auch einfache Wörter werden immer wieder falsch gelesen. Irgendwann gibt man dann frustriert auf.

Meine Lernprinzipien

Als ich mit der Leseförderung begann, hatte ich keine spezifischen Fachkenntnisse. Mir half mein Lernprinzip, das ich mir schon früh angeeignet hatte: vereinfachen, wiederholen, vertiefen, verbunden mit Motivation. Man muss immer schauen, wo derjenige, dem man helfen will, steht und genau da mit der Unterstützung ansetzen. Das habe ich schon so gemacht, als ich als Student Nachhilfe in Buchführung gab oder meinen Kommilitonen das erklärte, was sie beim Professor nicht verstanden haben. Wo steht mein Schüler? Am Anfang steht ein kurzer Test. Und von dessen Ergebnissen hängt es ab, wie geübt wird. Jeder Schüler muss auf dem Niveau „abgeholt werden“, wo er steht. Und dabei gilt für mich der Satz von Frau Prof. Renate Valtin: „Lesen lernt man nur durch Lesen!“ Meist kann ich auf bereits von mir erstellte, bewährte Übungen zurückgreifen, oder ich muss mir einen neuen Weg überlegen, um mit meinem Schüler voranzukommen. Und deshalb traute ich mich auch an das Phänomen mit den Leseversuchen von rechts heran. Ich probiere aus, was meinen Schülern hilft und verfolge die erfolgversprechenden Ansätze weiter.

Leserichtung schulen

Ich gehe davon aus, dass man auch die Leserichtung trainieren kann. Wenn ich über dieses Thema rede, kommt oft der Hinweis auf Linkshändigkeit und Spiegelschrift.

Ich habe auch die Spiegelschrift ausprobiert. Da war das Ergebnis nicht so klar. Ich habe damit nicht weiter experimentiert. Meine Schüler konnten die Zeichen leichter identifizieren, wenn sie auf dem Kopf stehen. Das Lesen der Spiegelschrift habe ich schnell abgebrochen.

4Leseversuch

Bild 4: Spiegelschrift

Zum Thema Spiegelschrift gibt es aber in Bayern eine Initiative mit dem Ziel einer Petition für eine Modellschule mit angepasstem Unterrichtsmaterial in Spiegelschrift. In der Begründung heißt es darin u.a., dass die andere Blickrichtung seit 100 Jahren bekannt und wissenschaftlich belegt sei. Die Quellen dazu fehlen leider. Ob die Kinder, die ich beim Lesen fördere und bei denen ich dieses Phänomen festgestellt habe, grundsätzlich eine andere Blickrichtung haben, darüber müsste ich spekulieren. Deswegen spreche ich von Leseversuchen von rechts. Das schnellere Lesen von Texten, die auf dem Kopf stehen, ist allerdings verblüffend. Tatsächlich scheint die Blickspanne dieser Kinder nach links größer zu sein.

Bei meinen Übungen mit der buchstaben- oder silbenweisen Anzeige des Textes am Bildschirm kann ich die Kinder an die Leserichtung von links gewöhnen und auch die Blickspanne erweitern. Das kann ich zwar nicht messen, aber nach längerem Üben wird immer flüssiger gelesen. Die Blickspanne scheint kein Problem mehr zu sein. Das passt zu der Erkenntnis, dass gute Leser, wie ich, mühelos in beide Richtungen sehr schnell lesen können.

Die Übungsmethode mit der buchstabenweisen Anzeige am Bildschirm habe ich schon zu Beginn meiner Arbeit als Lesepate entwickelt. Mein Prinzip der Vereinfachung hat mich darauf gebracht. Dass es Kinder gibt, die Schwierigkeiten mit der Leserichtung haben, wusste ich nicht, genauso wie ich keine Ahnung davon hatte, dass diese Methode beim Lesenlernen für diese Kinder besonders wirksam ist. Die Kinder verfolgen, wie sich die Silbe oder das Wort aufbaut und lesen das Wort dann, wenn es vollständig ist. Wenn ein Satz auf diese Weise vollständig erlesen wurde, wird er flüssig wiederholt. Das wirkt immer. Zunächst wähle ich eine langsame Anzeige am Bildschirm. Es ist verblüffend, wie relativ gut auch ganz schwache Leser dann zurechtkommen. Ich habe das immer so kommentiert: „Du kannst lesen, aber halt sehr langsam. Und meist liest du schneller als du es kannst und bekommst Probleme. Also lesen wir langsam, damit du sicherer wirst.“ Wenn die Leseleistung besser wird, kann man nach und nach die Anzeigegeschwindigkeit beschleunigen. Übung macht den Meister! Der Fortschritt ist hörbar! Nach dem Text folgen Wiederholungs- und Verständnisübungen. Mit Blitzleseübungen wird die schnelle Worterkennung trainiert.

Die meisten meiner Übungen ermöglichen die buchstabenweise Anzeige des Textes am Bildschirm. Spezielle Übungen für das geschilderte Problem finden Sie im Ordner „Übungen herunterladen / Am Symptom üben / Leseversuche von rechts“. In einem Video erkläre ich meine Vorgehensweise:

5bLeseversuch

Bild 5 (oben): Erklärvideo Übrigens: Meine Videos laufen werbefrei!

Schon nach ein paar Jahren meiner Tätigkeit als Lesepate habe ich die folgende Übung für Schüler entwickelt, die den dritten Buchstaben eines Wortes vor dem zweiten lasen:

6Leseversuch

Bild 6 (oben): Übung für Schüler, die den dritten vor dem zweiten Buchstaben lesen (Verdrehte Buchstaben Gedicht, Auszug)

Damals hatte ich noch nicht den Schluss auf die Leseversuche von rechts bzw. die Leserichtung gezogen. Diese Übungsart beruht auf der Bewusstmachung von Fehlern. Ein anderes Beispiel für diese Methode sind meine Übungen mit gestotterten Texten. Die habe ich für Schüler gemacht, die bei vielen Wörtern zuerst den Anfang isoliert lasen und dann das Wort komplett nachzogen, also zum Beispiel das Wort besser als be-besser lasen. Ein Übungstext für diese Schüler ging so: Ein Ma-Mann ko-kommt zum Do-Dok-Doktor. Nach kurzer Zeit hat diese Methode gewirkt.

Zurzeit habe ich einige Schüler, die auffallend oft Buchstaben von rechts zusammenziehen. Diesen Schülern möchte ich zusätzliches Material für kurze Übungen ohne meine Präsenz anbieten. Dazu entwickle ich spezielle Lese-Videos, die nach und nach erscheinen. Ich spreche darin die Texte und die Schüler können, quasi wie beim Tandemlesen, mitlesen. Stopps für Wiederholungen sind eingebaut. Dauer für die Bearbeitung 10 bis 15 Minuten. Die beiden Stufen, Level 1 und 2 unterscheiden sich lediglich in der im Video vorgegebenen Anzeige- und Lesegeschwindigkeit. Eine gute Möglichkeit für Eltern wäre es auch, den Ton des Videos auszuschalten und mit ihren Kindern gemeinsam zu lesen. Oder die Kinder lesen bei ausgeschaltetem Ton allein und die Eltern greifen ein, wenn es notwendig ist.

7Phänomen Übung

Bild 7 Lesevideo Beispiel zum Tandemlesen - der Text kommt buchstabenweise mit Silbenkennung - Wiederholung per Klick

Weitere Übungen und ein Erklärvideo gibt es im Menüpunkt Tandemlesen online.

Diese Lesevideos gibt es auch als PowerPoint-Version. Die einzelnen Übungen erscheinen nach und nach. In den PowerPoint-Versionen kann dann die Anzeigegeschwindigkeit – wie bei meinen Übungen sonst auch üblich - individuell eingestellt werden. Zum Download-Ordner!

Mein Übungsmaterial ist kostenlos, da ehrenamtlich erstellt. Fragen beantworte ich gerne über das Kontaktformular auf meiner Internetseite, über den Messenger meiner Facebook-Seite oder auf Kommentare zu diesem Artikel.

Die Leserichtung und damit die Blickspanne kann man auch so trainieren, dass man beim Lesen mit dem Finger in der Lesegeschwindigkeit des Kindes unter dem Text entlangfährt. Auch da gilt: nicht zu schnell lesen! Auch ein Leselineal kann hilfreich sein. Dabei muss man aber aufpassen, dass die Wörter nicht zu früh gelesen und damit geraten werden.

Was sagt die Wissenschaft?

Hier kenne ich zu wenig Material. Für Eltern oder Lesepaten geeignete Literatur ist mir nicht bekannt. Es gibt wissenschaftliche Artikel zu den Blickbewegungen beim Lesen zuhauf. Soweit ich das beurteilen kann, geht es dabei aber nicht um die grundsätzliche Leserichtung, sondern um die Messung der Augenbewegungen und der Blickspanne. Die Blicksprünge, genannt Sakkaden werden gemessen und aufgezeichnet, ebenso wie die Fixpunkte, genannt Fixationen. Etwa ein Viertel der Augenbewegungen gehen von rechts nach links, man nennt sie Regressionen. Diese kämen z.B. dann vor, wenn unbekannte Wörter nicht auf Anhieb erkannt werden, heißt es in dem Artikel, den ich im Internet gefunden und aus dem ich oben zitiert habe.

Mit diesem Thema beschäftigt sich auch die beachtenswerte Internetseite Lesediagnostik und Leseförderung!

Dort heißt es zum Eye-Tracking, also der Verfolgung und Messung der Augenbewegungen:

In wiederholten Studien (Kim & Lombardino, 2016; Nilsson Benfatto et al., 2016; Smyrnakis et al., 2017; Solheim & Uppstad, 2011) hat die Methode (Anm.: das Eye-Tracking) ihre Eignung für die Diagnose von Leserinnen und Lesern mit Förderbedarf unter Beweis gestellt, wobei sich folgende Unterschiede zu den guten Leserinnen und Lesern zeigten:

  • Schlechtere Leserinnen und Leser haben mehr und längere Fixationen (Blickpunkte) beim Lesen.
  • Die Sprünge zwischen den Blickpunkten (Sakkaden) sind kürzer.
  • Es gibt mehr Rücksprünge des Blicks im Leseprozess.
  • Schlechtere Leserinnen und Leser brauchen gerade für lange Wörter mehr Zeit, kurze Wörter werden weniger oft durch den Blick übersprungen, was auf einen geringeren Sichtwortschatz schließen lässt.

Schlussbemerkung

Die Aussagen oben klingen einleuchtend. Und ich denke, man kann diese Feststellungen als Trainer beim Beobachten seiner Schüler auch machen. So, wie der oben erwähnte Kollege, der sich wunderte, warum seine Schülerin so lange zum Erlesen eines Wortes braucht. Die Augenbewegungen beim Lesen sind aber, wie von mir ausgeführt, trainierbar. Das Ergebnis kann ich zwar nicht mit einer Technik messen, aber die deutlich besseren Leseleistungen sprechen für sich.

Der Betreiber der erwähnten Internetseite zur Lesediagnostik und Leseförderiung, Herr Matthias Böhm, ist Konrektor an einer Realschule. Das von mir geschilderten Phänomen der Leseversuche von rechts war ihm noch nicht untergekommen. Er könnte sich vorstellen, dass diese Schüler nach einer neuen Strategie suchen, um die Wörter zu entschlüsseln oder dass das Phänomen auftritt, wenn die Schüler vom Lesen erschöpft sind. Er teilt meine Meinung, dass das buchstabenweise Üben in der „richtigen“ Richtung Erfolg verspricht. Mit Herrn Böhm werde ich mich weiter austauschen. Ich hoffe, dass ich dabei auch mehr über das Eye-Tracking lernen kann.

Gut lesen zu können muss der Normalfall bleiben. Kindern mit Schwierigkeiten beim Lesenlernen muss geholfen werden. Auf meine Internetseite greifen auch viele Lehrpersonen zu. Ich hoffe, dass die individuelle Förderung in der Schule erhalten bleibt und nicht dem akuten Lehrermangel zum Opfer fällt. Aber auch die außerschulische Leseföderung durch Eltern, Lesepaten und professionelle Lesetrainer ist gefordert. 

Mit diesem Artikel will ich das Phänomen der Leseversuche von rechts bekannter machen und zeige einen Lösungsansatz auf. Ich wünsche allen Leseförderern viel Erfolg!

Januar 2023 – Siegbert Rudolph

5 Kommentare

  • Kommentar-Link Stefanie Rupprecht Freitag, 27 Januar 2023 21:22 gepostet von Stefanie Rupprecht

    Wir sind sehr froh und dankbar, dass Herr Rudolph das Problem bei unserem Sohn (9) erkannt hat und mit einer bemerkenswerten Geduld mit ihm an dessen Lösung arbeitet. Erstaunlich, über welch großen Fundus an passgenauen Übungen Herr Rudolph verfügt und wie er es schafft, selbst unseren lesemüden Sohn zu motivieren und ihm positive Anerkennung zukommen lässt, die diesem spürbar gut tut. Danke!

  • Kommentar-Link Nadežda Milovanović Mittwoch, 25 Januar 2023 19:47 gepostet von Nadežda Milovanović

    Meine Tochter war wie alle anderen Erstklässler 2020 erstmal aufgrund des 1. Lockdowns nur 5 Monate in der Vorschule, dann aufgrund des 2. Lockdowns nur 3 Monate von September bis Dezember 2020 und dann weitere knapp 3 Monate von Mai bis Juli 2021 in der Schule. Es hat geheißen "Hauptsache wir überstehen Corona". Ich habe mehrmals darauf hingewiesen, daß wir Schwierigkeiten mit dem Lesen haben und nicht mit den anderen mitkommen. In der 2. Klasse dann das böse Erwachen: nur meine Tochter kam nicht mit dem Lesen mit. Wieder mal eigeninitiativ habe ich die Klassenleitung gefragt, woran es liegen könnte, ich schlug vor, einen Lese-Rechtschreib-Test zu machen. Als das Testergebnis vorlag, wurde ich von der Schulberaterin mit dem Satz begrüßt "Ihr Kind hat LRS, ich schlage vor, sie in die 1. Klasse zurückzusetzen". Ich habe Ihr mitgeteilt, wenn es so wäre, daß sie LRS hat, sie fünf mal in die 1. Klasse gehen kann, jedoch das Problem nicht gelöst sein wird. Uns wurden Intensivierungs-/Förderstunden zugesagt, doch dann hießt es, es gäbe kein Budget und kein Personal. Wir konnten uns nur selbst helfen und aufgeben kam nicht in Frage. Wir haben sofort eine Nachhilfe gesucht, doch diese hat nicht wirklich viel beim Lesen geholfen. Wir haben von der Schule eine Liste bekommen, was wir alles an physischen und psychischen Untersuchungen vornehmen lassen sollten. Wir waren beim Kinderarzt, Augenarzt, Ohrenarzt, Pädaudiologen, beim Kinderpsychiater und letztendlich bei einer Sozialpädagogin über die Caritas, damit ein Gutachten erstellt wird, um über das Jugendamt eine Lerntherapie zu bekommen. All das haben wir in der 2. Klasse getan, wir waren verzweifelt und ratlos. Diese ganze Vorgeschichte finde ich extrem wichtig, um aufzuzeigen, was mal bereits versucht hat. Die ganze Zeit habe ich mir den Vorwurf gemacht, ich hätte mich viel mehr um mein Kind kümmern müssen, ich fühlte mich als hätte ich versagt, meine Tochter war ebenso frustriert, die einzige in der Klasse zu sein, die nicht flüssig lesen kann und dazu noch sehr langsam ist.

    Doch dann kam die Erlösung: gegen Ende der 2. Klasse hat unsere Schule durchgegeben, daß der Lesekoch einen Vortrag an der VHS hält. Den habe ich mir angehört mit anderen hilflosen Eltern und davon gibt es mehr als wir denken. Ich habe mich zum ersten Mal gut aufgehoben und verstanden gefühlt. Die Übungen auf der Homepage empfand ich als sehr kindgerecht, zumal sie nicht zu lange dauern und die Wörter nicht zu lang sind. Ich habe nach 2 Jahren wieder das Gefühl gehabt, dass wir das schaffen, dass wir nicht weniger gut sind, sondern dass nur jedes Kind sein eigenes Tempo und seine eigene Umsetzungsmethoden hat. Bis dahin haben wir uns als komplette Außenseiter gefühlt. Seit Anfang der 3. Klasse (seit knapp 4 Monaten) übt Herr Rudolph nun mit meiner Tochter: In der ersten Stunde wurde ihm bereits klar, daß sie von rechts nach links liest. Kopfüber las sie schneller als sie je von links nach rechts gelesen hat. Darauf ist niemand gekommen. Sie freut sich über jede Lesestunde, aber insbesondere ist ihr Selbstwertgefühl und ihre Strahlen im Gesicht wieder da.

    Ich bin unendlich dankbar, daß der Lesekoch dieses Phänomen erkannt hat und sich damit befaßt. Es tut der Psyche des Kindes so gut zu wissen, daß mit ihm/ihr alles in Ordnung ist, nur die Leserichtung bzw. der Leseblickwinkel ein anderer ist. Herzlichsten Dank und unsere aufrichtigste Anerkennung an den Lesekoch

  • Kommentar-Link Marion Reitz Mittwoch, 25 Januar 2023 17:07 gepostet von Marion Reitz

    Mein Sohn 9 hat sich immer geweigert zu lesen ,wir haben es anfänglich spielerisch gestaltet nur kleine Schilder im Alltag oder kurze Sätze. Bücher mit extra großer Schrift und bunten Silben. Comics etc....jeden Rat habe ich umgesetzt. Tag für Tag gelesen ....am Ende blieb nur immer die Frustration bei meinem Sohn und bei mir dann letztendlich auch. Wir waren beim Augenarzt sogar bei einem Optometristen . Eine Freundin erzählte dann von den Lesefortschritten ihrer Tochter und stellte mir den Kontakt zu Herrn Rudolph her. Mein Sohn liest seit 4Monaten , 2mal die Woche , 30 Minuten lang mit Herrn Rudolph. Er macht wunderbare Fortschritte und hat noch Spaß . In der Schule ist es jetzt für Ihn auch leichter geworden. Wir sind sehr froh und dankbar über die Lesestrategien von Herrn Rudolph!!

  • Kommentar-Link Wiemer Daniela Montag, 23 Januar 2023 15:32 gepostet von Wiemer Daniela

    Hallo alle zusammen! Auch meine Tochter hatte große Schwierigkeiten beim Lesen! Ich war mit ihr beim Logopäden, bei einem Arzt der spezialisiert ist auf lese, Rechtschreib-Schwäche, Lehrer Gespräche aber jeder immer nur!!!! Üben, üben, üben!!!! Wir waren sehr verzweifelt weil ich einfach nicht wusste wie ich ihr helfen konnte??????!!!!!! Wir hatten dann das Glück einen Platz bei Herrn Rudolph zu bekommen, der innerhalb von 10min. herausgefunden hat was ihr Problem ist!Ich dachte ich fall aus allen Wolken,
    als er ihr Wörter spiegelverkehrt präsentiert hat und sie plötzlich doppelt so schnell bzw wie von zauberhand die Wörter runter gerattert hat! So hab ich sie zuvor noch nie Lesen hören! Das war der absolute Wahnsinn!!! Seit dem hilft er ihr beim Lesen und es wird immer besser! Wir sind ihm so unendlich dankbar das er das Problem erkannt hat und uns Tipps gibt wie wir sie sinnvoll unterstützen können! Ein ganz großes Lob an ihn und seinen Einstellung zum Thema Lesen!

  • Kommentar-Link Matthias Böhm Montag, 23 Januar 2023 07:51 gepostet von Matthias Böhm

    Ein sehr treffender Artikel zu einem wichtigen Phänomen, das ich bisher noch nicht kannte. Meiner Meinung nach werden hier profunde Vorschläge gemacht, wie man betroffene Kinder fördern könnte.

    Generell ist Ihre Seite ein wertvoller Fundus an praktikablen Ideen, die meines Wissens im deutschsprachigen Raum ihresgleichen sucht.

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"Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte."
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