Liebe Kolleginnen und Kollegen,


bald beginnt das neue Schuljahr, und viele sind gespannt: Wie sind sie, die neuen Schüler, die uns zum Üben der Lesetechnik von den Lehrkräften anvertraut werden?
Zunächst geht es ums Kennenlernen. Manchmal geht da die erste Stunde drauf. Ich stelle mich kurz vor und fülle dann mit dem Schüler das Merkblatt (Kategorie 0) aus, in das ich dann später alle Übungen und Besonderheiten eintrage.


Dann erkläre ich, dass Leseschwierigkeiten häufig vorkommen, und bringe Beispiele dafür, dass jeder Mensch andere Talente hat. Da Lesen aber eine Basistechnik ist, die Einfluss auf viele andere Gebiete hat, gilt es, diese Technik zu verbessern. Z.B. gehen auch die Hausaufgaben schneller, wenn man besser lesen kann. Ich frage die Schüler, wie sie selbst ihre Lesefertigkeit einschätzen. Ich überlege derzeit noch, ob ich dafür einen Fragebogen entwickeln soll. Bisher kam ich ohne aus. Die Meinung der Schüler halte ich im Schülermerkblatt fest. Bisher frage ich nicht nach vorhergegangenen Fördermaßnahmen (Mittelschulen) oder LRS- oder Legastheniebescheinigungen. Wenn möglich, möchte ich von der Lehrkraft wissen, ob diese besondere Hinweise hat.


Bei Grundschülern lasse ich mir dann einen beliebigen Text vorlesen, meist aus einem der Bücher, die ich unter „Rund ums Lesen / Übungsmaterial" aufgeführt habe. Die Lesefehler korrigiere ich nicht, sondern notiere sie mir nur auf einer Kopie des Textes. Je nach Leseleistung lasse ich 5 (ganz schwache Leser) bis 20 Sätze vorlesen. Dann bespreche ich die Abweichungen vom geschriebenen Text und suche eine geeignete Übung heraus. Bei eindeutigen Buchstabenverwechslungen oder falschen Betonungen nehme ich gleich die entsprechende Übung (Kategorie B Buchstaben und Silben – Kategorie S Buchstaben), weil das erfahrungsgemäß zu schnellen Erfolgen führt. Ansonsten nehme ich einen beliebigen jahrgangsstufengerechten Artikel und arbeite mit dem Schüler neben dem Text des Artikel auch die interessantesten Übungen daraus durch. Auch dabei mache ich mir Notizen. Nach der ersten Stunde frage ich die Schüler sinngemäß, wie es war bzw. wie sie sich gefühlt haben.


Vor jeder Lesestunde suche ich aufgrund meiner Aufzeichnungen auf dem Schülermerkblatt geeignete Übungen heraus. Bei noch ganz schwachen Lesern beginne ich mit einfachen Silbenübungen (Kategorie B Buchstaben und Silben – Kategorie S Silben) und ganz einfachen Texten. Ich erkläre den Schülern, meist auch den Sinn und das Ziel der Übungen.


Bei Mittel- oder Realschülern lasse ich den Anfangstest aus der Kategorie 0 vorlesen. Ich habe den Test aufgrund meiner Erfahrungen zusammengestellt. Er gibt mir immer Aufschluss über die Lesekompetenz der Schüler und hilft mir, die passenden Übungen auszuwählen. Wenn irgend möglich zeichne ich das Vorlesen des Tests auf. Ich erkläre den Schülern, dass das nur für sie und mich geschieht. Die Tonaufzeichnung dient – noch besser als die schriftlichen Notizen – für die Auswahl der Übungen und kann später einmal zum Vergleich mit der aktuellen Leseleistung herangezogen werden.


Ich bemühe mich immer darum, dass die Schüler Erfolgserlebnisse haben. Wenn ich feststelle, dass ein Text oder eine Übung zu schwierig ist, sage ich dem Schüler, dass wir die Übung später machen und nehme einen einfacheren Stoff.


Wünschenswert ist immer ein Kontakt mit den Eltern. Manchmal ist es möglich, dass die Schule eine Elternabend oder –nachmittag organisiert, zu dem die Eltern eingeladen werden, deren Kinder gefördert werden. Manchmal finden Einzelgespräche statt. Die Eltern sollten wissen, wie mit den Kindern geübt wird und wie sie das Training zuhause unterstützen können.


Über Anregungen zum Thema aus Ihrer Erfahrung würde ich mich sehr freuen.


Ich wünsche Ihnen noch erholsame Restferien und einen gelungenen Auftakt des neuen Schuljahres!
Ihr Siegbert Rudolph

Lest nicht wie die Kinder, zum Vergnügen, noch wie die Streber, um zu lernen, nein, lest, um zu leben.

Gustave Flaubert

"Es gibt nichts Schöneres, als ein Buch aufzuschlagen und in eine Geschichte einzutauchen. Bücher lesen heißt wandern gehen." Vera C. Koin

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