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Warum fängt die Leseförderung oft erst dann an, wenn das Kind kurz davorsteht zu scheitern. Wenn ich Drittklässler oder Viertklässler teste, um den Eltern zu zeigen, wie sie gezielt üben können, frage ich mich immer: „Warum erst jetzt?“ ...
Warum fängt die Leseförderung oft erst dann an, wenn das Kind kurz davorsteht zu scheitern. Wenn ich Drittklässler oder Viertklässler teste, um den Eltern zu zeigen, wie sie gezielt üben können, frage ich mich immer: „Warum erst jetzt?“
Erste Anzeichen
Die Leseschwierigkeiten, mit denen ich und andere Trainer zu tun haben, zeigen sich schon in der ersten Klasse. Das Kind reiht die Laute nur aneinander, kommt nicht in den Lesefluss, bleibt stockend, verwechselt oder verdreht Buchstaben, zieht kurze Vokale in die Länge oder rät, statt die Buchstabenfolge zu entschlüsseln. Das Raten kommt oft auch daher, weil die Kinder zu früh versuchen, schnell zu lesen. Manchmal wollen sie einfach so flott lesen, wie der Sitznachbar, manchmal werden sie dazu aufgefordert, von den Eltern oder in der Schule.
Warum Warten das Problem vergrößert
Mit der Förderung abgewartet wird, weil das Kind in der ersten Klasse ja noch am Anfang steht. Man will das Kind nicht unter Druck setzen und hofft darauf, dass der Knoten schon noch platzen werde. Vielleicht fühlt man sich auch überfordert und vertraut darauf, dass die Schule es schon noch richten werde. Häufig meint man, einen Legasthenie-Test abwarten zu müssen, um helfen zu können oder helfen zu lassen. Schließlich gilt Legasthenie als Behinderung.
Betrachten wir die Sache nüchtern: Das Kind hängt beim Lesen zurück. Weil Lesen eine Basisfertigkeit ist, wirkt sich das auf alles aus, was in der Schule geschieht. Das heißt, das Kind fällt weiter zurück. Was oft übersehen wird: Die Klasse wartet nicht! Der Rückstand vergrößert sich mit jedem Tag. Wer hintendran ist, muss mehr tun als die anderen, wenn er aufholen will.
Sofort helfen
Sofortige Hilfe ist am wirksamsten. Die Förderung muss sich immer daran orientieren, wo das Kind steht. Eine Legasthenie-Diagnose bestätigt nur das deutliche Zurückhängen. Sie hilft nur insoweit, als man Nachteilsausgleich und Notenschutz bekommen kann, was durchaus hilfreich sein kann. Gefördert werden muss trotzdem. Für manche Eltern ist die Legasthenie-Diagnose aufgrund des medizinischen Anstrichs, der dieser Diagnose anhaftet, eine Belastung, für andere eine Erleichterung, weil man glaubt, dadurch die Ursache der Probleme zu kennen. Dabei ist die Diagnose nichts anderes als die Feststellung der Abweichung der Lese- und Rechtschreibfertigkeit von der Erwartung bezüglich des Alters bzw. der Klassenstufe.
Als ich mich vor ein paar Jahren zum ersten Mal mit den Leseschwierigkeiten eines Erstklässlers beschäftigte, er konnte die Laute nicht zusammenschleifen, war ich bass erstaunt darüber, dass mein Schüler im April noch nicht alle Laute gelernt hatte. Das ging zu meiner Schulzeit viel schneller. Ich konnte meine Übungen bei ihm nicht verwenden. Ich habe die Silben- und Wörterübungen an seinen Lernstand angepasst. Der Junge hat sich schnell verbessert, weil wir gezielt geübt haben.
Inzwischen habe ich mich mit einigen Fibeln für die erste Klasse beschäftigt. Ich halte die derzeitige Lehre für suboptimal. Der Leselernprozess wird durch die Verknüpfung mit dem Erlernen der Druckschrift in die Länge gezogen. Dadurch beschäftigen sich die Kinder viel zu lange nur mit banalen, gezwungenen Texten und lernen eine Schrift, die sie nur kurze Zeit anwenden sollen. Der Wert der Schreibschrift für das Lernen insgesamt wird leider verkannt.
Laute zusammenschleifen – gezielt üben
Da die Reihenfolge der zu lernenden Laute in jedem Schulbuch anders ist, habe ich einen Online-Silbentrainer https://der-lesekoch.de/silbentrainer-universell/ entwickeln lassen, der individuell konfiguriert werden kann. Er steht – wie bei mir üblich, kostenlos – zur Verfügung. Im Konfigurationsfenster schaltet man die Laute an, die geübt werden sollen. Die Laute werden nacheinander angezeigt, was für die Blicksteuerung gut ist. Die Anzeigegeschwindigkeit kann individuell eingestellt werden.

Silbentrainer: Die Laute werden per Klick darauf an- oder ausgeschaltet. Es kann mit zwei oder drei Reihen und mit der Konsonantenhäufung geübt werden.
Auf meiner Elternseite finden Sie für die verschiedenen Leseschwierigkeiten geeignete Übungen online und zum Ausdrucken.

Einstieg in die Leseförderung auf meiner Elternseite
Wichtig ist es, zuerst dafür zu sorgen, dass das Kind beim Üben gut mitmacht und Leseerfolge hat. Das Kind muss sich angenommen und nicht angetrieben fühlen.
Ich setze am Anfang meist die Lesepyramiden oder die kurzen Witzeübungen ein. Mit der buchstabenweisen Darbietung des Textes, in an das Kind angepasster Geschwindigkeit, kann ich meist erste hörbare Erfolge erzielen. Bei den Übungen gibt es viele Wiederholungen, damit die Wörter möglichst oft gelesen werden. Sie können auch mit eigenen Wörtern, bzw. den Wörtern aus der Fibel Ihres Kindes üben. Meine Übungen können individuell genutzt werden.
Geduld
Am wichtigsten aber ist es, Geduld zu haben. Der Rückstand kann nicht weggezaubert werden, er muss weg geübt werden. Zehn Minuten am Tag sind dafür zu wenig. Meine Übungen eignen sich auch gut als Ergänzung zu einer Lerntherapie. Aufholen ist immer anstrengend. Aber es lohnt sich! Noch mehr aber bringt es, sofort zu helfen, wenn sich die ersten Schwierigkeiten zeigen.
Ich wünsche allen, die Kindern beim Lesenlernen helfen, viel Erfolg!
November 2026 – Siegbert Rudolph

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